Ramadan-Spezial

Mein Ramadan voller Poesie!

Ich bin Farazi! Hier stelle ich dir meine Gedichte, Tagebucheinträge und Briefe zur Verfügung, damit du auf Deutsch Poesie über den Ramadan lesen kannst. Alles schrieb ich selbst. Wenn etwas nicht von mir ist, wird es kenntlich gemacht. Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen, damit auch dein Ramadan poetischer wird 🙂

Eintrag 7 – Gedicht: Einheit des Seins

Tränen entströmen dann den Augen wenn Herzen
Mutig entwurden, berührt von Lichterwesen;
O Mensch, der du nichts ahnst,
Dies ist das Wirken Allahs, Der Leben dir gibt.

Leben, es ward zuteil mir, als ich die Worte
Mutig geschrieben vernahm, o Herr! Dein Diener,
Dein Hölderlin, er strömt:
Liebende geben der Welt den herzlichen Wert.

Einheit des Seins verkündend lehrte Dein Diener
Fülle des göttlichen Feuers zu verspüren,
Die Vielheit löste sich:
Einheit zu fühlen, es heißt befremdlich zu sein. 
6. Eintrag – Tagebucheintrag

Liebes Tagebuch,

tolerieren und dulden soll ich, was enttäuschte Menschen sprechen? Menschen erleiden Enttäuschungen im Leben, doch wenn sie dadurch nicht lernen mit Gott zu sprechen, dem Ur-Geduldigen zu dienen, so resignieren die Menschen, weil ihnen alle Kräfte schwinden. Alleine der Gott, den sie nicht anflehen, kann die Kraft und die Moral der Enttäuschten stärken und heben. Von Menschen enttäuscht werden sie zu Anklägern der Menschheit; ihr Leben keinem höheren Ziel geweiht, zu verbittert, um im Alltag die Wunder zu sehen, vergällen sie allen um sich her das Leben und meinen im recht zu sein. Noch nie habe ich einen skrupelloseren Menschen gesehen, als einen, der im recht ist. Einsperren sollte man alle, die recht haben und allen, die im unrecht sind, ihnen sollte man die Möglichkeit geben, ihr Unrecht zu zelebrieren! Anders ist diese Welt nicht zu ertragen. Menschen, die recht haben, das sind die größten Bestien und die größten Feinde der Zivilisation. Möge Allah teala mich davor bewahren, einer von ihnen zu sein und zu werden... wer nicht Zwiesprache mit dem Ur-Geduldigen hält, der versinkt im Pfuhl der Bitternis und der Verderbnis. Ob so jemand lebt oder nicht, was macht es für einen Unterschied, da das Herz einer solchen Person ohnehin tot und blind ist. Schütze mich davor, o Ur-Beschützer, recht zu haben... aus Liebe zum Ramadan, schütze mich davor recht zu haben...
5. Eintrag – Brief an Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden

Selamaleykum ya Resulullah,

es gibt  so vieles, das ich Dir sagen wollte. Jetzt, wo ich die Chance habe, und darüber nachdenke, möchte ich Dich nicht belasten… „Die Erde wurde den Alleinsamen zu schwer, nachdem Muhammed ging…“ Mit diesem Satz beschreibt Dein geliebter Cousin bereits alles, was zu sagen ist. Die Bedürftigen, die Schwachen sind einsam, seitdem Du weg bist, ya Resulallah… sie werden ausgelacht, ihnen wird die Schuld an ihrer Lage gegeben… Dein Urenkel, Imam Zeynel Abidin, er eiferte Dir nach, und er, er war so anders. Er verzieh einem Manne, der ihn beleidigte und kümmerte sich um seine Angelegenheiten… das ist es, was Dein Vorbild lehrt.
Was könnte ich Dir schon von meinen Sorgen erzählen? Sie würden sich auflösen, wenn ich in der Lage wäre zu verzeihen. Zu verzeihen, es scheint mir das Einzige, was das Leben erträglich macht. Ein Mensch, der nicht nachsehen und verzeihen üben kann, dem ist das Leben auf dieser Erde unmöglich. Sich selbst, seinen Nächsten… Dein Lieblingsvers aus einem Gedicht, alle anderen Verse scheinen nur eine Erklärung dieses Verses zu sein: Ist nicht alles nichtig außer Allah? – Der Ur-Wahre, der Ur-Schöne, der  Ur-Geduldige, der Ur-Schützende, der Ur-Heiler, Muhammeds Herr, o sei mein Herr! 
Nein, ich kann Dir nicht erzählen. An Dich zu denken machte mir die Seele leichter, Dir nun zu schreiben, es ist pure Seligkeit. Wieso sagen wir Menschen ständig, dass wir Dich lieben, aber wir sprechen nie mit dir? Wie sonderbar… wir haben es verlernt zu lieben. Wenn wir verliebt sind, wollen wir beständig diese Person sehen, aber alle, die wir behaupten Dich zu lieben, mit Dir sprechen wir nicht, obwohl mit Dir zu sprechen absolut atoxisch wirkt. Möge uns unser Herr erlauben mit Dir zu sprechen…
4. Eintrag – Gedicht

O Herr, wer kann von Dir berichten,
Wahrhaftig künden ohne dass
Sich Meinung beimischt, Licht belichten:
Es kann nur wer sich selber las,

Sich selber statt beständig andre.
Ich hab es satt das stete Meinen –
Ich suche Menschen des: ich wandre,
Voll Seele, Frohsinn und auch Weinen.

Wer spricht nicht bloß von den ganz Großen,
Von ihren Bräuchen, ihren Sitten;
Wer eifert ihnen nach, ermessen?
Wer’s tut, der wird getriezt mit Tritten.

Und wer getreten ward, wird künden
Von Dir, o Ur-Geduldiger!
Er wächst an andrer Menschen Sünden
Und wird so zum Entschuldiger. 
3. Eintrag – Tagebucheintrag

Liebes Tagebuch,

es ist der zweite Tag im Ramadan 2021. Der zweite Ramadan während einer Pandemie… Es ist eigenartig. Als Mensch werde ich momentan regelrecht von der Schicksalsmacht gezwungen, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Ich genoss heute Lektüre aus dem alten Rom. Seneca sprach zu mir. Ich war heute sein Paulinus. Er sprach zu mir von der Notwendigkeit seine Zeit zu nutzen. Ich solle mich nicht betrügen. Menschen würden sich beklagen, dass Leute in hohen Ämtern, sich keine Zeit für sie nehmen, obwohl sie sich doch nicht einmal selbst Zeit für sich nehmen. Was für eine brillante Feststellung… ständig muss die Musik laufen, das Smartphone muss zur Hand sein und und und… immer Up-To-Date… was ist das für eine Zeit? Zeit für sich zu nehmen, das heiße, so Seneca, sich und seinen Tod zu bedenken. Darüber nachzudenken, was für ein Mensch man sei, woher man komme und wohin man gehe… das sind die Gedanken von einem der brillantesten Römer überhaupt. Der Ramadan ist dafür da, dass ich mir Gedanken über mich mache… der Ur-Wahre, Al-Hak, Er zwingt mich regelrecht mir Gedanken zu machen. Und Seneca würde es so gutheißen… ich verzichte auf Essen und Trinken und das Ausleben der Sexualität. Seneca sagt, wer für diese Dingen lebt, der lebe ein höchst verachtenswertes Leben… leben wir modernen, angeblich aufgeklärten Menschen alle ein höchst verachtenswertes Leben? –

Ralph Waldo Emerson schrieb in einem Essay:„Was wir benötigen ist jemand, der uns zwingt, das zu tun, was wir können.“ Allah, mein Herr, Er zwingt mich, das zu tun, was ich kann. Er zwingt mich, mich zu humanisieren, indem Er es mir zu Pflicht macht zu fasten… ich liebe es! Ich liebe es! So viele Menschen bemitleiden Muslime in Deutschland, weil sie fasten müssten, doch in Wirklichkeit bemitleide ich solche, denen die Freuden und Erkenntnisse des Fastens versagt bleiben… es ist eine sehr eigenartige Welt. Wir messen das Glück der anderen nach unseren Maßstäben. Der Ramadan ist nun da, um mich vor mir selbst zu retten. Ich bitte Gott inständig darum, dass Er mich teilhaben lässt am Segen dieses Monats und meinem Herzen eingibt Gutes, Wahres und Schönes zu tun, mir selbst und anderen nützlich zu sein. Wer ist nützlicher als derjenige, der Erkenntnisse fördert und unser Wissen um uns selbst mehrt?

Als Abu Hanifa gefragt wurde, welches Wissen das nützlichste sei, so steht es im Buch „Envarul Aşikin“, antwortete der Großgelehrte: Es ist das Wissen der Sufis. Das Wissen darüber, ob man sich in einem guten oder schlechten Zustand befindet… möge Allah es mir erlauben meinen Zustand richtig einzuschätzen und an mir zu arbeiten… Seneca hat heute meine Seele befeuert…
2 – Gedicht

Ramadan 2021 –
Muslime, die Entsagenden

Vorüber ging ein Jahr der Illusion
Und niemand weiß so recht, was ist geschehn;
Ein Jahr fern der gewohnten Tradition,
Wir wissen nicht, was künftig wird geschehn.

In diesem Wahnsinn kommt der Retter nun –
Gewähre, dass wir uns enthalten, Herr!
Entsagen, es bewirkt des Herzens Ruhn
Und es erleichtert, was ansonsten schwer.

Wer sich im Ramadan enthält, für den
Enthält das Leben Wunder, Kraft und Schätze.
Wer Kraft besitzt beherzt Gott anzuflehn,
Wird Herzen andrer achten, nicht verletzen.

Ein Herz, das sich enthält den Ichheitswünschen,
Enthält die Medizin für alle Welten;
Die Ichheit zerrt an der Substanz des Menschen,
Wer ichbewusst ist, wird die Welt erkälten. 

Enthalten, es soll zum Entsagen führen,
Entsagen dessen, was die Ichheit nährt;
Für die Gesundheit aller sich zu rühren,
Führt dazu, dass das eigne Heil sich mehrt.

O Ramadan! O du Geschenk, o Segen!
Du wirbelst die Gewohnheit durcheinander
Und Wert und Glück und Sinn mischt sich ins Leben,
O Herr,
Gewähre uns zu wärmen aneinander
🤲🏻
1. Eintrag – Gedicht

Ramadan: Unsere Rettung

Zu übersättigt von der Welt
Verleben wir die langen Tage;
Solang das Diesseits uns gefällt,
Verbessern wir nicht unsre Lage...

Der Körper satt, die Herzen hungrig,
Beweinenswert ist unser Zustand;
Vom Glauben ist nicht mehr viel übrig,
Wie bessern wir nur diesen Umstand?

Und während wir uns das so fragen,
Kommt aus der Ferne unser Freund,
O Ramadan! beende Klagen
Und hilf uns gegen unsern Feind!

Das Herz, es sättigt, wenn der Körper
Auf Nahrung und die Gier verzichtet
Und in uns dringen alle Wörter
Des edlen Buches, das uns richtet.

Der Monat, der uns alle rettet,
Uns vor uns selbst, o welch Geschenk!
Wer sich in gute Absicht bettet,
Erlangt das göttliche Geschenk.

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– Poetisiere dein Leben mit Farazi!