Mignons Tränen

„Ich möchte dir mein ganzes Innre zeigen…“

Mignon (aus Goethes Lehrjahren)
Reich ist sie an Jahren nicht, doch
Trägt sie im Gesicht die Müdigkeit
Eines Greises, der an Jahren reich ist,
Dreiundsechzig schaut sie drein,
So viele Nächte durchgeweint,
Weil man Menschen ansieht bloß als Waren.
Schicksal, nein, so hast Du nicht erschaffen uns,
Die Freude ist der Zweck des Menschen,
Die währende, nicht die vergängliche,
Die vergängliche ist die verfängliche
Der Freuden. Leid erfahren heißt
Geschliffen werden. Jeder Mensch wird sterben,
Der eine ungeschliffen und geschliffen
Der andere, der Mensch, er ist ein Diamant.
Wer nicht weiß, dass er ein Diamant ist,
Rennt den Diamanten hinterher.
In den Nächten weint sie viel,
Für all die, die selbst nicht wissen,
Was sie in sich selbst besitzen.
Reich ist sie an Jahren nicht,
Doch ist ihr die Müdigkeit geschrieben ins Gesicht.

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