Flügelschlag (18) – Meeresherz

Mit dem Namen Allahs, des Barmherzigen, des Reinen,

Worte, die im Umlauf sind, drücken den Charakter einer Volksgruppe aus. Einst gab es im Türkischen ein Wort, das sich aus zwei persischen zusammensetzte: Derya für Meer, dil für Herz. Menschen, die ein Herz so weit wie ein Meer besaßen, wurden so bezeichnet: meeresherzlich. Denn ihr Betragen wirkt reinigend auf den Charakter anderer. Andere können sich beleidigend, unhöflich oder diskriminierend verhalten, ein Mensch mit Meeresherz wird gelassen und respektvoll reagieren. Dadurch erfährt der respekt- und herzlose Mensch Wärme, die er vergaß oder bisher nicht kannte. Das Betragen des Menschen mit Meeresherz kultiviert die Wildheit des Gegenübers und zivilisiert den Mitmenschen. Ein Meeresherz gibt die Chance die eigene Wildheit abzulegen, indem es ein Beispiel für Herzlichkeit und Kultur ist. Ein Meer reinigt den Schmutz, genauso ein Mensch mit Herz so weit wie ein Meer. Er reinigt statt zu verunreinigen. Solch ein Wort besaßen die Türken einst. Lasst es uns durch ein Gedicht ins Deutsche einführen:

Die Melodie der Nacht 
Berührte tief mein Herz
Und breitet aus die Macht
Vertreibend allen Schmerz.

Verwandelnd in ein Meer
Bereinige ich Schmutz;
Schmutz wirft, wer selbst ist leer,
Den Wurf hält man für Putz.

Mein Herz bereinigt Dreck
Aus andern Herzen, um
Zu zeigen, was versteckt
Im Herz steckt; es wird stumm.

Einst warf ich Schmutz höchstselbst,
Ich dachte, ich hab Macht;
„Was du von andern hältst,
Bist du.“, lehrt mich die Nacht.

Ich gab mich willig hin
Ergebend in ein Meer,
Es war so weit, voll Sinn:
Was leicht ist, scheint erst schwer.

Die Nacht hat mich geküsst,
Mein Sinn geöffnet licht,
Dass ich nun wagen müsst
Zu schreiben ein Gedicht.

Die Macht der Nacht versetzt
Mich in den Ozean;
Mein Herz, das einst verletzt,
Es schmiedet einen Plan.

Es will die Welt befrei‘n
Von Schmutz, doch dafür muss
Von Schmutz betroffen sein
Mein Herz, o Himmelskuss!

Aus Herzen nimmst du fort,
Mein Herr, was sie versehrt;
Der Glaube wird zum Hort,
Der Reinigung vermehrt

Und diese Welt versöhnt,
Indem er Herzen weckt,
An Liebesdienst gewöhnt:
Die Nacht und Herzeffekt.

Es weckt im Herz das Meer
Die Nacht mit ihrer Pracht;
Ein Meeresherz, es lehrt
Uns Gott, des Menschen Macht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s