Flügelschlag (3)

Im zweiten Flügelschlag wurde es deutlich, warum jede Handlung mit dem Namen Allahs begonnen werden sollte, mit „Bismillah“. Es verwandelt völlig alltägliche Handlungen in Gottesdienste. So möchte ich auch fortan jeden Flügelschlag beginnen.

Mit dem Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen:

Goethe wollte mit dem West-östlichen Diwan Ideen und Sitten des Orients seinen westlichen Lesern bekanntmachen. Eine der Weisheiten, die sich in der islamischen Tradition finden, führt Goethe in den folgenden zwei Versen in die europäische Geisteswelt ein:

„Das glücklichste Wort, es wird verhöhnt,
Wenn der Hörer ein Schiefohr ist.“

Ein Wort kann aus noch so reiner Absicht heraus gesprochen werden, wenn der Hörer selbst ein Ideologe ist, wird er alles und jedem eine Ideologie unterstellen. Wer selbst niemals selbstlos ist, der hält Selbstlosigkeit in anderen Menschen für unmöglich, für keine Alternative, für bloßes Schauspiel. 

Anderen Menschen schöne Absichten zu unterstellen ist ein Gottesdienst. Denn: wer selbst geradsinnig ist, wird anderen nichts unterstellen, was schief ist, mit Goethes Worten. Es wäre ein Zeichen von Lieblosigkeit.

Diese Weisheit findet sich in der türkischen Literatur durch Yunus Emre im 13. Jahrhundert formuliert: 

„Aufrichtig sind die Worte,
Wenn auch Du aufrichtig bist,
Aufrichtigkeit wirst Du nicht finden,
Wenn Du Schiefheit in Dir besitzt.“

Bei Goethe heißt es Schiefohr. Nur ein gerades Ohr, ein geradsinniges, kann schöne Worte und schöne Absichten erkennen. Solch ein Mensch zu werden, ist ein Gottesdienst. Aus diesem Grund sagt der Meister aller Poeten, Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden: „Der verdorbenste aller Menschen ist derjenige, der alle anderen für verdorben hält.“ Es fehlt einer solchen Person an Aufrichtigkeit, drum kann nirgends Aufrichtigkeit erkannt werden. Daraus lernen wir, dass wir aufrichtig leben und denken müssen, um das Gute in anderen erkennen zu können. Das ist ein Gottesdienst. Es ist nicht naiv, es ist ein Grad an Bildung. Wer sich und sein Herz ausbildet, wird andere richtig einschätzen, wem es an Charakterbildung mangelt, der wird andere falsch verstehen, falsch deuten. Er legt sein unbewusstes Selbstbild in andere hinein. Das hat zur Folge, dass solch ein Mensch alles politisiert. Alles wird zur Politik für ihn und in allem sieht er eine Ideologie. Denn er selbst ist, ob bewusst oder unbewusst, von Politik und Ideologie besessen.

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