Europa islamischer als muslimische Länder

Wen Allah liebt

Was die Völker betrifft, die sich mit den Wissenschaften beschäftigen, dieses sind die von Allah auserwählten Völker. Denn sie haben ihre Anstrengungen dafür aufgewandt, sich Vorzüge anzueignen, die den Menschen zum Menschen machen und die Natur des Menschen stärken. […] Weil sie die menschlichen Stärken lieben und den höheren Tugenden verfallen sind; weil sie den Raubtieren nicht ähneln möchten, sind die Besitzer des Wissens zu Leuchten, welche die Dunkelheit erhellen, zu Leitfäden der Rechtleitung, zu den ehrenhaftesten Menschen und zu auserwählten Völkern geworden. Sie haben erkannt, was Allah von ihnen möchte und begriffen, die Verfolgung welchen Zweckes von ihnen verlangt wird. Möge Allahs Barmherzigkeit auf ihnen sein, denn wenn es sie nicht gäbe, so wäre die Welt unbewohnbar.“ 

Ob sie sich wissenschaftlich betätigen, unterscheidet die Völker, beziehungsweise Nationen, voneinander. Dies schreibt der muslimische Theologe Said al-Andalusi. Er würde als strenggläubig bezeichnet werden im heutigen Europa. Er betet 5x täglich, fastet nicht nur im Monat Ramadan, er ist ein Mann der Sunna. Kein ernstzunehmender Theologe würde ihm widersprechen. Said al-Andalusi ist nicht etwa ein Kind der Moderne, gewillt den Islam zu reformieren. Er drückt aus, was sich im Qur’an befindet. Er lebte im 11. Jahrhundert. Sein Werk „Tabaktul Umam“ gibt es nicht auf Deutsch. „Wissenschaftsgeschichte verschiedener Völker“, so könnte es übersetzt werden.

Muslime brachten Aufklärung

Deutsch ist miserabel, was Übersetzungen aus dem muslimischen Sprachraum angeht. Deutsche Aufklärer á la Georg Forster sagen, dass die Araber „weiße“ Vorfahren haben. Sie müssen es gemäß ihrer Ideologie der Weißheit sagen. Das weiße Volk sei erkoren die Welt aufzuklären. Denn das europäische, weiße Volk kann nicht von einem Volk, den muslimischen Arabern, aufgeklärt worden sein, das selbst nicht „Weißheit“ in sich habe. Johann Gottfried Herder ist heute zwar aus dem kollektiven Bewusstsein verschwunden, doch er ist sich deutlich bewusst, dass die Muslime die Christen aufgeklärt haben. Es sei, so Herder, bemerkenswert, dass „sowohl in Spanien als in Sizilien für ganz Europa die erste Aufklärung begann“. Jede Entwicklung in Europa sei durch die Nachahmung der Araber geschehen. (Vgl. Herder: Briefe zur Beförderung der Humanität, Siebente Sammlung, 85.) Herder, der als Lehrer des gesamten gelehrten Deutschland fungierte, sagt über die Muslime:

Welch andres Volk in Europa hielt die Sprache für eins seiner edelsten Heiligtümer und feierte Wettkämpfe des schönsten poetischen Ausdrucks in ihr? Kein andres als die Araber; die angrenzende Christen, beschämt über ihre Rohheit, zuerst vielleicht auch nur aus Nachahmungssucht, folgten ihnen nach. Ihre Großen und Edlen taten aus Mode, was die Araber seit Jahrhunderten aus Trieb und aus Nationalstolz getan hatten, sich der Wissenschaften anzunehmen und in der Sprache der Dichter selbst zu glänzen.

Muslime, die heute als Schwarz bezeichnet werden, wurden von deutschen Aufklärern um 1800 als „Weiß“ bezeichnet, weil es zur Allgemeinbildung gehörte, dass Muslime die Lehrer Europas waren.

Goethes Zitrone

Das Symbol dieser Befruchtung ist die Zitrone – oder der Begriff, der im Italienischen aus dem Arabischen übernommen wurde: die Limone. Muslime brachten die Zitrone nach Italien. Goethe hätte sie nie als typisch italienisch besingen können, wenn sie dort nicht gelandet wären. Wer heute seine Teebeutel von der Firma „Teekanne“ im Supermarkt mit der Aufschrift „Italienische Limone“ kauft, trinkt einen Schluck Islamisierung Europas und nimmt ihn genüsslichst in sich auf. Denn der Islam ist der treibende Motor der Araber gewesen. Palermo erkoren sich die Muslime zur Hauptstadt auf Sizilien und Palermo nannten sie „al-Medina“: die Stadt der Zivilisation. Wenn heute U.S. amerikanische Truppen einmarschieren im nahen Osten, dann hinterlassen sie Tote. Das taten die Araber auch. Was U.S. amerikanische Truppen nicht hinterlassen? Zivilisierte Städte. So aber taten es die Muslime, als sie ihre Eroberungen antraten.

Palermo ist die Stadt, die Francesco Petrarca, als den Ort bezeichnet, von der die Saat der italienischen Literatur ausging. Italienische Literatur wiederum wurde zur Saat für die europäische Renaissance. Welche Städte bauten Muslime noch auf?

Stadtkultur

Sevilla, Saragossa, Valencia und eine Stadt überstrahlte alles: Córdoba. Sie wurde als Stadt der Wissenschaft bezeichnet, als Hort des Wissens. Und als die erste der von Muslimen aufgebauten Metropolen in die Hände der Christen fiel, sollte sich das Schicksal ganz Europas für immer verändern. Die Stadt in der Said al-Andalusi starb, der Autor der „Wissenschaftsgeschichte der Völker“, sie änderte die Weichen. Im Jahr 1085 eroberten die Christen unter Alfons IV. Toledo – und sie wunderten sich, weshalb Muslime den Christen Kirchen und den Juden Synagogen erbauten. Solch eine Toleranz kannten sie nicht. Dies war der Augenblick, in dem die Christen zum ersten Mal eine Ahnung von Religionsfreiheit bekamen. Nach der Einnahme Toledos wurden in Zusammenarbeit von Juden, Christen und Muslimen die Übersetzungen angefertigt, die bald in ganz Europa die Renaissance vorbereiteten.

Wissenschaft betreiben, dichten, Religionsfreiheit gewähren; wer dies tat, der wurde zum Feind des Papstes. Friedrich der Staufer war einer von ihnen. Er richtete lieber an muslimische Theologen seine philosophischen Fragen als an christliche. Er wurde zum König von Jerusalem ohne Blut zu vergießen. Doch kurz nach seinem Tod – er starb im Jahr 1250 – wurden die Muslime, denen er den Gebetsruf in seinem Herrschaftsgebiet gestattete, im Jahr 1300 massakriert. (Leseempfehlung: Eberhard Horst: Der Sultan von Lucera) Das Diktat des Papstes herrschte nun wieder. Es wird die Widerstandskraft und den Mut der europäischen Philosophen benötigen, um sich vom Diktat des Papstes zu lösen. Deshalb ist die Philosophie so enorm wichtig für das Abendland. Sie erst befreite den Verstand von seinen Fesseln. Sie näherte Europa dem islamischen Charakter an.

Bildungsrevolution

In Deutschland war das: Martin Luther. Türkenfeind, Antisemit und Muslimhasser. Trotz dieser Bestialität im Herzen muss es ihm gedankt werden, was er für die Bildung der Deutschen tat. Warum? Weil er sein Volk islamisierte. Er übersetzte nicht bloß die Bibel, er führte eine Bildungsreform durch, die einleitete, dass das deutsche Volk allmählich zu lesen und zu schreiben lernte. Die eigene heilige Schrift lesen zu können, das ist urmuslimisch. Während muslimische Kinder den Qur’an lesen konnten im 11. Jahrhundert, konnten viele Adlige in Europa weder lesen noch schreiben. Christen im muslimischen Spanien konnten Arabisch. Sie konnten den Qur’an lesen, während ihre Glaubensgeschwister an anderen Orten Europas nicht einmal ihre eigene heilige Schrift lesen konnten. Was für eine Ironie.

Jeder Schritt der Entwicklung geschah, wie Herder bereits im 18. Jahrhundert sein Volk lehrte, nach dem Vorbild der arabischen Muslime. Aus diesem Grund geht Georg Forster davon aus, dass Araber „weiße“ Vorfahren haben. Der deutsche Orientalist Adolph Friedrich von Schack schrieb in seinem Werk „Poesie und Kunst der Araber in Spanien und Sizilien“: „Ebenso wie Gewerbefleiß und Ackerbau, Baukunst und Wissenschaft, fand auch die Poesie emsige Pflege“ bei den Muslimen. In einem Kapitel seines zweibändigen Werkes wägt er ab, wie viel die europäischen Wissenschaften und Künste von den Muslimen übernommen haben. Die einen würden sagen: Alles! Die anderen: Gar nichts. In der Mitte sei die Wahrheit zu finden. Und nicht darf das Selbstbewusstsein Herders vergessen werden, der sagt, dass alles, was empfangen wurde: „nach christlicher Weise“ verschönert wurde. Darüber soll sich niemand streiten.

Worauf sich ganz Europa und Deutschland besinnen sollte, ist die gemeinsame Identität mit Muslimen. Als die Philosophen das Zepter übernahmen im Abendland, näherten sie sich, ohne es zu wissen, dem Islam an. Doch die Philosophen übertrugen die Religionskritik und den Religionshass auch auf den Islam. Er wurde ihnen mit wenigen Ausnahmen zu einer Kirche, von der sie sich unabhängig erklärten. Sie ahnten nicht, dass eben Wissenschaft zu betreiben ein islamischer Wert ist. Die Religion selbst wird als Wissenschaft betrieben. Aus diesem Grund nennt Al-Ghazali sein Hauptwerk: „Die Wiederbelebung der Wissenschaften der Religion“ (Ihya ’Ulum ad-Din). Allah sagt im Qur’an: „Sind solche, die wissen, denen gleich, die nicht wissen?“

Gemeinsame Heimat

Wenn Muslime also in Europa leben, dann leben sie auf einem Kontinent, auf den sie die Zitrone gepflanzt haben. Sie leben auf einem Kontinent, den sie besät haben, auf den sie als erste Religionsfreiheit gebracht, auf dem sie als erste Juden erlaubt haben, Besitz zu erwerben, Wissenschaft zu betreiben und zu dichten. Wenn Muslime nicht auf Sizilien gelandet wären und es zivilisiert hätten, wie europäische Entdeckungsreisende ausgingen, um zu zivilisieren, dann hätte Goethe nicht singen können: „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn“.

Fleiß, Disziplin, Genauigkeit, aber: Herzlichkeit, Leichtigkeit und Nachsicht sind islamische Werte. Was ist ein islamischer Wert? Das Ideal, das in Qur’an und Sunna zu finden ist. Der Islam hat sich seither nicht verändert, wohl aber haben sich die Menschen verändert, die den Qur’an und die Sunna deuten. 

Goethe nimmt die muslimischen Gelehrten zum Maßstab, nicht das einfache Volk, wenn er über Muslime spricht. Das ist nur fair. In Nisami findet Goethe jemanden, der ihn in Erstaunen versetzt: „Dem Aas eines faulenden Hundes versteht Nisami eine sittliche Betrachtung abzulocken, die uns in Erstaunen setzt und erbaut.

Die Muslime mit der Sitte ihrer muslimischen Vorgänger bekannt zu machen, würde Muslime erkennen lassen, dass sie ein Teil Europas sind und hier sind, um es zu bereichern. Nur die von Allah auserwählten Völker bereichern die Menschheit. Diese Erkenntnis muss sich wie ein Lauffeuer unter den Muslimen Deutschlands und in ganz Europa verbreiten. Alle würden davon profitieren.

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