Tagebuch: Europa und ich

Liebes Tagebuch,

ich bin gespalten. Ich liebe Europa und verachte es. Ich verachte Europa, weil ich seine Größen bewundere. Ich verachte es, weil die Conquestadoren, wie sie sich nannten, aus ihrem Hass auf Muslime heraus, überall Moscheen sahen in der ehemals neuen Welt: Südamerika. Sie sahen Moscheen und waren getrieben von Hass. Als die Gründerväter Amerikas über ihre erste Verfassung berieten, stellten sie sich tatsächlich die Frage, ob ein Muslim Präsident werden dürfe… so sehr prägten sie die Gedanken an Muslime und Islam. Eine Stadt im heutigen Mexiko heißt „Matamoros“ – matar = töten, morden und Moros = muslimische Spanier, also: Muslimmörder. Der Europäer duldet nichts, was nicht seiner momentanen Ideologie entspricht. Die jeweilige Staatsdoktrin muss jeder verinnerlichen… der Staat wird zur Hölle, weil er allmächtig gewähnt wird. Der Staat wird zum Gottesersatz. Doch auch dann wenn ein Jude und ein Muslim den christlichen Glauben annahmen, sind sie verdächtig. Heutige Inquisitoren nennen es „legalistischer Muslim“. Frühere nannten es „Morisko“. Deshalb verachte ich Europa. Er zwingt seine Ideologie jedem auf. Das ist mal das Christentum, dann ist es Laizismus, dann ist es Aufklärung… dann dies und jenes… immer absolut. Ausnahmeerscheinungen wie Friedrich der Staufer oder Friedrich der Große sind eben nur Ausnahmeerscheinungen. Sie werden als Freidenker und Philosophen bezeichnet… was ist mit absolut allen Sultanen des Osmanischen Reiches? Bis zum 9. Sultan gar, bestand die Bevölkerung des Osmanischen Reiches nur aus Christen. Sie wurden nicht gezwungen zu konvertieren. Die Knabenlese wird angeführt um ein Negativbeispiel anzuführen. Ja, sie kann angeführt werden, doch ein ausgelesener Knabe hatte im Osmanischen Reich mehr Aufstiegschancen als sie in ihrer Heimat gehabt hätten. Das rechtfertigt es meines Erachtens auch nicht. Doch auch das wird nicht besprochen, wenn es erwähnt wird. Europa lobt immer das Eigene, aber nie die Vorzüge des Fremden. Pertrarca, den wir als großen Dichter und einen Vater der italienischen Literatur betrachten, die wiederum zum Vater der europäischen wurde, er wäre Durchschnitt gewesen im muslimischen Spanien oder Sizilien! Das muss einfach mal gesagt werden, macht es ihn kleiner? NEIN. Ich liebe Petrarcas Dichtung, doch ich verachte seinen Hass, Dantes Hass auf Muslime… in Cervantes schwelt dieser Hass, in Dante… Europa von vom Hass und aus Angst vor Muslimen in die neue Welt getrieben… wofür liebe ich Europa? Für seine Kunst, seine Dichter und Denker, seine Ideen der Menschenrechte. Doch es glaubt, dass es das Monopol darauf hat, indem es leugnet, dass Muslime den ersten Anstoß gaben. Glaubensfreiheit ist normal gewesen in muslimischen vormodernen Gesellschaften und Reichen. Die Anpassung an die europäischen Ideen machte aus Muslimen intolerante Vollidioten… Europa islamisierte seine Gesetzgebung und die Muslime europäisierten sich… und jetzt denkt Europa, es müsse die Muslime aufklären, nachdem es sie mit überlegener Technologie besiegt hat. Muslime fügten sich dadurch der Annahme, Europa sei auch ideell überlegen… nein, das muss hier eingestanden werden, das war es nicht. Während Hobbes’ Annahme, der Mensch sei des Menschen Wolf in Europa kursiert, akzeptieren Muslime Saadis, der Mensch ist des Menschen Bruder. Heute leben Muslime Hobbes und das Abendland ziert die Eingangshalle seiner UNO mit Saadi. Ich verachte Europa dafür, dass sie die Muslime dazu brachten sich zu modernisieren und damit zu einem Schatten ihrer selbst wurden, während der letzte große Abendländer im Stile der Alten: Ralph Waldo Emerson selbst das Leben der modernen Menschen und ihre Idee der Freiheit hart kritisierte. Der ist der freiste, der am besten dient… das ist Emerson… o Europa! o Europa! Fürchtest du immer noch Muslime und wirst aus dieser Furcht heraus wieder zum Muslimjäger und -mörder… zum Matamoros, oder beginnst du endlich auf deine eigenen Ideen, auf die du das Monopol beanspruchst, umzusetzen. Wirst du staufisch oder braun? Wirst du inquisitorisch oder staufisch? Was wirst du? – 

Was auch immer du wirst, ich weiß nur eins: ich werde nicht aufhören zu dichten. Mein Herz wirst du nicht von der Liebe abbringen. Ich verachte dein Unrecht, nicht deine Größe. Und

ich werde niemals müde dich deiner Größe zu erinnern,
um eine schönre Zukunft gemeinsam uns zu zimmern.

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