Löwenhof der Alhambra

Ibn Zamrak ist ein Dichter, der im muslimischen Granada lebte. Seine Gedichte sind Teil der Alhambra. Einige seiner Verse sind in die Mauern und Wände der Alhambra gemeißelt. In seinem Gedicht Löwenhof der Alhambra preist er den damaligen Herrscher und lobt ihn dafür, dass er solch ein architektonisches Wunder stiftete. Dieses Gedicht nahm ich mir vor und schrieb eine Erwiderung auf das Gedicht. Ich verlagerte den Schauplatz ins Deutschland des 21. Jahrunderts und klage die Missstände der Muslime in Deutschland an. Was fehlt ihnen, was hält sie davon ab, ähnlich wie die damaligen Muslime Europa zu bereichern und schönsinnige Werke zu stiften? Die Antwort darauf gebe ich im Gedicht. Viel Freude beim Lesen.

Der Löwenhof der Alhambra: Eine Erwiderung

Nicht haben Platz hier Tauben und Hyänen
In den Gefilden, Trost und Frieden spendend,
Wer auftritt nur mit Herzmut, Löwenmähnen
Und Schönheitssinn, kann die Geschicke wenden.

An deutschen Höfen ist das schöne Leben,
Die schöne Lebensart, sie ist hier fremd.
Zu philosophisch ist der deutsche Reben,
Ein Niemand gibt für andre hier sein Hemd.
Sie kritisieren, diskutieren ständig,
Was andre tun, versäumend selbst zu stiften;
Wer schreibt die Poesie, beherzt! inwendig?!
Wer stiftet das, was bleibt, sich selbst zu richten?
Das, was ich schrieb, es ist gemeißelt in
Die Mauern – auf der Erde ohnegleichen!
Wer diesen Schönheitssinn erblickt, sieht Sinn
Im Sein: lebendig werden Herzensleichen.

Wie graziös fließt Wasser aus dem Brunnen
In Schalen ein wie Wissen in das Kor:
Die Liebenden bestaunen es und sinnen,
Getrieben von des Jibrils Himmelschor.
Kein Platz hat dieser Wohlklang Wolkenregen
In Herzen, die aus Angst vor Menschen zittern
Und mehr als 1001-mal im Leben
Stirbt wer sich feige fürchtet vor Gewittern.
Gewitter zieren Löwen und beweisen,
Die Schönheit, Kraft, Erhabenheit und Liebe
Und wessen Fleisch sie jagen und verspeisen,
Bezeugt die Stufe ihres Nafs, die Triebe.

Am Hofe der Alhambra kann bestehen,
Wer Allah dienend Schönheit preist und kämpft;
Wer meint und diskutiert wird bald vergehen,
Da er das Schönheitshochgefühl bloß dämpft.
Sich zu bekriegen ist das Resultat
Des Schönheitsmangels – Narren, die ihr meint!
Der Vielfalt Einheit ist des Schönsinns Tat,
Wer zänkisch lebt, sorgt, dass der Enkel weint.

So war es denn, als Tauben und Hyänen
In die Alhambra zogen und sich schmückten,
Verging das Reich, kein Meinen mehr, kein Wähnen
Verhinderte den Seufzer blind Entzückter.

Dieses Gedicht ist ebenfalls im deutschen Diwan zu finden. Die Erscheinung des deutschen Diwans könnt ihr unter dem folgenden Link unterstützen: https://commonsplace.de/project/flügelwind.

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