Sultan Ahmed I.: Thron und Krone

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Wissen ist der Tod des Vorurteils. Mangelndes Wissen über eine Kultur führt zu Vorurteilen und Hörensagen en masse. Das nachfolgende Gedicht ist aus einer Kultur, die uns in Deutschland mehrheitlich fremd ist. Was hier wenig bekannt ist: Dutzende osmanische Sultane waren zugleich Dichter! Das nachfolgende Gedicht stammt aus der Feder des Bahtî – so nannte sich Sultan Ahmed I. Er bestieg in seinem 14. Lebensjahr den Thron und regierte 14 Jahre. 1617 starb er an Typhus im jungen Alter von 28 Jahren… das Gedicht zeugt von außerordentlicher Reife trotz seines jungen Todes:

Wenn du Geschick und Wert erlangen willst,
Musst Wissen und Erkenntnis du studieren
Der Wert des Baumes steigt ja in dem Maße,
In dem die Zahl der Früchte an ihm steigen.

Wer nicht auf Erden Wissen und Erkenntnis
Bestrebt zu lernen war, gleicht einem Pferd,
Das keine Fertigkeit sein Eigen nennt;
Ihm wird kein Schmuck, kein Sattel aufgelegt.

Gelehrter ist nur der, der diese Welt
Durchblickt, nur dessen Arm besitzet Kraft;
Und wenn es ihm im Arm an Kräften mangelt,
Kann er die Bogensehne nicht fest ziehen.

Der, dessen Krone Wissen, dessen Thron
Die Reife ist, der ist der wahre König.
Wer nicht das Wissen und die Reife sich
Zur Krone und zum Thron ersieht, ist‘s nicht.

O Bahtî, da nun dir das Sultanat
Zuteil ward, diese Würde, dieser Glücksfall,
So lass zu jeder Zeit auch deine Taten
Verwandt mit Krone und dem Throne sein.

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