Buchvorstellung: Ein Prophet spricht zur ganzen Welt

„Ich fühle Mut und Kraft genug […] auch wie Mohammed mit dem feurigen Schwert des Wortes das Reich der Geister welterobernd zu überziehn…“ Mit diesen Worten des jungen Friedrich Schlegel könnte ein Papst an Muhammed erinnern. Schlegel schreibt sie kurz vor Weihnachten an Novalis, nämlich am 02. Dezember 1798 – oder ein Papst könnte mit folgenden Worten Herders die  wichtigen Einflüsse der Muslime benennen:

„Die Erscheinung selbst, dass an den Grenzen des arabischen Gebiets sowohl in Spanien als in Sizilien für ganz Europa die erste Aufklärung begann, ist merkwürdig [d.h. bei Herder „des Merkens würdig“] und auch für einen großen Teil ihrer Folgen entscheidend. …

Wie anders nun, als dass in Spanien, wo ein Hauptsitz dieser Kultur war, wo jahrhundertelang die Christen mit ihnen in Streit oder ihnen unterwürfig gelebt hatten, neben diesem hellen Licht nicht ewig und immer die Dunkelheit verharren konnte? Es mussten sich mit der Zeit die Schatten brechen; man musste sich seiner schlechten Sprache und Sitten, der ungebildeten Rustika schämen lernen…“

Dies schreibt Johann Gottfried Herder in seinen Briefen zur Beförderung der Humanität. Dank Muslimen erfuhren die Christen Aufklärung, dank Muslimen erfuhr die Welt Aufklärung! Sie brachten die Erleuchtung. Muslime sind allesamt die Schüler oder mit Schillers Worten: die „Schuldner“ Muhammeds. 

Warum also zitiert ein Papst am 12. September 2006 einen byzantinischen Kaiser, der ein absoluter Laie in Sachen Geschichte ist? Wieso zitiert er nicht aus Konrad Oelsners Werk „Mohamed. Darstellung des Einflusses seiner Glaubenslehre auf die Völker des Mittelalters. Eine Preisschrift, welche von dem französischen National-Institut der Wissenschaften am 7. July 1809 gekrönt wurde“? Goethe lobte diese Preisschrift. Wieso zitiert er nicht die Strophe, die Goethe im Andenken an Muhammed schrieb und am 07.09.1819 im Cotta’schen Morgenblatt veröffentlichte?

„Einen Helden mit Lust preisen und nennen
 Wird jeder, der selbst als Kühner stritt.
 Des Menschen Wert kann niemand erkennen,
 Der nicht selbst Hitze und Kälte litt.“ 

Ein byzantinischer Kaiser, der von 1350-1425 lebte. Genau die Zeit – das wissen wir heute – als Europa sich, durch den Kontakt mit Muslimen im muslimischen al-Andalus, der von Muslimen weiterentwickelten Wissenschaften bediente. Dante Alighieri schrieb seine „Göttliche Komödie“ und bereitete das Fundament für den Hass auf Muhammed, wie er sich noch lange hinziehen würde. Erst mit der Aufklärung hielt der Verstand Einzug in Europa. Zumindest im deutschsprachigen Europa. Bei Lessing zum Beispiel. Herder. Goethe. Oelsner. Die Deutschen hatten ein ganz anderes Verhältnis zu Muhammed als der Rest Europas. Zitieren wir Oelsner: „Die Länder, wo sie [die Muslime] sich niederlassen, bleiben oder werden von den Feudalgesetzen befreit.“ Aufklärung. Muslime, in diese Richtung gehen also nicht bloß Herders und Goethes Meinung, brachten Aufklärung. – Was hat Muhammed also Neues gebracht? Das Humane, das Leichte: er hat das abstrakte Göttliche geerdet. Doch auf Deutsch gibt es heute kaum Werke von Muslimen. Obwohl es gerade hochaktuell ist zu erfahren, dass Muhammed über 1000 Jahre vor der Aufklärung die Gleichbehandlung von Menschen verschiedener Hautfarbe gefordert und eingeführt hat. So zitiert Imam Idriz den Propheten, der zur ganzen Welt spricht:

„Ihr Menschen! Euer Herr, Gott, ist Einer, und euer Vater Adam ist einer. Kein Araber ist besser als ein Nicht-Araber und kein Nicht-Araber ist besser als ein Araber. Kein Weißer ist besser als ein Schwarzer, und kein Schwarzer besser als ein Weißer. Der beste ist derjenige, der sich Gottes bewusst ist.“

Das heißt, diejenige Person, die das Gebet verrichtet, fastet, Spenden gibt und sich durch diese rituellen Handlungen einen vorzüglichen Charakter ausbildend, ihre Mitmenschen feinfühlig behandelt, diese Person ist sich Gottes am stärksten bewusst – diese Person besitzt einen Vorzug bei Gott vor anderen. Doch einen Vorzug zu beanspruchen wiederum zeugt vom niederen Charakter. Jemand, der sich Muhammed zum Vorbild nimmt und sich dadurch einen vorzüglichen Charakter aneignet, wird keine Sonderrechte beanspruchen. Das wissen die Muslime und auch alle, die Benjamin Idriz’ Buch lesen. 

Imam Dr. Benjamin Idriz füllt mit seinem Buch eine Lücke. Es trägt den Titel: „„Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat…“ Ein Prophet spricht zur ganzen Welt“ – Er zitiert aus dem Koran und der reichhaltigen Hadith-Literatur, um das deutschsprachige Publikum bekannt zu machen mit Muhammed, dem vom Gott letzten gesandten Propheten. Er führte nicht bloß die Gleichberechtigung von Menschen dunkler und heller Hautfarbe ein, sondern ebenso sprach Muhammed davon, dass auch im Krieg nicht alles erlaubt ist:

„Wenn ihr, um euch zu verteidigen, kämpfen müsst, dann verbiete ich euch, Zivilisten wie ältere und schwache Menschen, Kinder, Frauen, Kranke, Priester und Betende in Klöstern zu töten. Ihr dürfet auch nicht plündern, Gebäude zerstören, Tiere nutzlos töten und Bäumen Schaden zufügen. Ihr sollt Zerstörtes wieder aufbauen und konstruktiv handeln. Seid ihr nur gut. Gott, wahrlich, liebt diejenigen, die Gutes tun.“

Muhammed verabscheute den Krieg, doch ist es eine Lebensrealität, dass auf Erden Krieg stattfindet. Dieser benötigt jedoch Regeln. Frauen dürfen nicht angerührt werden – gibt es Menschen, die es dennoch tun? Halten sich die Soldaten aller Nationen in der UNO oder Nato an die vorgegebenen Regeln? Ist Vergewaltigung von Kriegsgegnern gestattet? – Selbstverständlich nicht. Niemals. Tun Soldaten dies dennoch? Leider ja. – Der Krieg ist eine Ausnahmesituation. Im Krieg gelten andere Regeln als im friedlichen Alltag. Doch auch diese anderen Regeln müssen klar definiert werden und alle Soldaten müssen diese kennen und ihnen Gehorsam schwören. Das brachte Muhammed in die Welt. Aus diesem Grund verzieh Saladin, der Eroberer Jerusalems, und beging kein Massaker 1187 wie es die Kreuzfahrer ein Jahrhundert zuvor taten, als sie in Jerusalem einfielen. Napoleon Hill schrieb 1925 das Buch: „Denke nach und werde reich“. In diesem lobt er Muhammed, für dessen Tugend der Beharrlichkeit und hebt hervor, dass Christen und Juden nicht einmal Muhammeds friedlichere Form der Kriegsführung übernehmen wollten. – Das, liebe Welt, brachte Muhammed Neues in die Welt.

Muslimische Dichter waren die ersten, die von der Religion der Liebe sprachen. Warum? Weil sie an Allah, den Urliebenden, al-Wadud, glauben. Denn im Alltag sollen Liebe und Schönheit vorherrschen, so Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden. Er lehrte:

„Wem Gott das nötige Geld gegeben hat, soll damit schöne Kleidung erwerben und dadurch die Gnade Gottes zeigen. Gott mag es, wenn der Mensch seine Schönheit durch die Kleidung zeigt. Gott ist schön und Er liebt das Schöne.“

Weil dies so ist, entwickelten die Muslime Ideen zum feinen Leben, Tischmanieren, Umgangsformen – das, was Goethe „gesellige Bildung“ nennt.  Das Schöne ist dem Muslim heilig. Gibt es Muslime, denen man es nicht ansieht? Ja, wir sind alles Menschen und haben verschiedene Bildungsgrade, verschiedene Vergangenheiten oder verschiedene Mittel. Jeder so, wie ihm oder ihr das eigene Gewissen erlaubt. Europa wurde über das muslimische al-Andalus mit dem feinen Leben bekannt. Der Historiker W. Montgomery Watt trug in seinen Vorlesungen vor: 

„Von der Anziehungskraft der [damaligen] arabischen Kultur [, die durch den Islam zu dem wurde, was sie damals war,] auf die Christen zeugt auch das Leben am sizilianischen Hof, zumal unter Roger II. und Friedrich II. […] Sie übernahmen die Tracht der Araber und viele ihrer Umgangsformen. […] Diese Verfeinerung des Lebensstils breitete sich von Spanien und Sizilien allmählich nach Norden aus.“ 

(W. Montgomery Watt: Der Einfluss des Islam auf das europäische Mittelalter)

Was also brachte Muhammed noch Neues? Vielleicht die Grundüberlegung zum Arbeitsrecht, wenn er sagt: „Gibt dem Arbeiter sein verdientes Gehalt zügig, bevor sein Schweiß trocknet.“

Und Benjamin Idriz zitiert weiter aus dem Munde des Propheten, der für die gesamte Menschheit gesandt wurde: „Gott liebt jemanden, der, wenn er arbeitet, seine Arbeit in hoher Qualität erledigt.“ Muhammed fordert den Arbeiternehmer zu Qualität auf, genauso wie er den Arbeitgeber dazu auffordert gerecht zu sein: „Die gerechten Menschen, […] die Mitarbeiter gerecht behandeln, sind Menschen, die Gottes Licht bekommen haben.“

Als Muslim weiß man, das Erkenntnis ein Licht Gottes ist, das Er in die Brust legte. Wer sich also vorzüglich verhält, der handelt mit Gottes Licht. Dies lehrt Muhammed, Gott segne ihn und schenke ihm Frieden.

Vor allem brachte Muhammed die Idee der Menschheit. Muhammed sprach: „Ich bezeuge, dass alle Menschen Brüder sind.“ Alle Menschen. Nicht bloß Muslime untereinander. Allen Menschen Gutes wollen. Das ist es, was einen  charaktervollen Menschen auszeichnet. Aus diesem Grund sagt Saadi Schirasi:

„Alle Menschenkinder sind ja Brüder,
 Aus einem Stoff, wie eines Leibes Glieder.
 Hat Krankheit nur ein einz’ges Glied erfasst,
 so bleibt den andern weder Ruh noch Rast.
 Wenn andrer Schmerz dir nicht im Herzen brennt,
 verdienst du nicht, dass man noch Mensch dich nennt.“ 

Wundervolle Worte, die die Geisteshaltung des Propheten, an den Saadi Schirasi glaubt, in Worte fassen. Hammer-Purgstall schreibt in seiner „Geschichte der schönen Redekünste Persiens“, dass Saadi von europäischen Aufklärern zahlreich „geplündert“ wurde, ohne als Quelle angegeben worden zu sein. Saadi ließ sich von Muhammed aufklären. Europäische Aufklärer von Saadi, doch heute wird der Meister Saadis, Muhammed, verleumdet und gehasst, obwohl er es doch war, durch den Saadi erst die Idee der Menschheit so schön in Worte fassen konnte. Nicht die Abstammung eines Menschen, nicht die Nation, in der jemand lebt, macht den Wert eines Menschen aus. Der Wert des Menschen wird dadurch bestimmt, wie er seine Mitmenschen, mit den ihm oder ihr zur Verfügung stehenden Mitteln behandelt. Das lehrt Muhammed. Daran mahnt uns Imam Benjamin Idriz, indem er uns lehrt:

„Der berühmte frühe Islamgelehrte Imam Schafi’i vertritt die Meinung, dass das Wort hikma/Weisheit, das in mehreren Versen [im Koran] erwähnt wird, von der sunna/hadith bzw. Tradition des Propheten Mohammed spricht. Die Tradition des Propheten ist also Weisheit.“

Und da dies so ist, kann niemand Muhammed beleidigen. Wer ihn beleidigt, stärkt nur die Liebe der Muslime zu ihm:

„Wer den Propheten Mohammed beschimpft und beleidigt, sei es durch Aussagen oder Karikaturen, hat in Wirklichkeit nur sich selbst verletzt. Keine beleidigende Aussage kann meine Liebe zum Propheten dämpfen, wohl aber meine Liebe und Verbundenheit zu ihm stärken.“

(Imam Benjamin Irdiz)

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