Freitagsflügel – 22.05.2020

Mit dem Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!

„Mein Herr! Weite mir meine Brust und erleichtere mir meine Aufgabe und löse den Knoten meiner Zunge, damit sie meine Rede verstehen mögen.“

Allah, der Herrscher am Tage des Gerichts, sagt in Sure Ta-Ha (20/120):

„Der Satan flüsterte ihm ein, indem er sagte: ‚O Adam, soll ich dich führen zum Baum des ewigen Lebens und einer Herrschaft, die nicht vergeht?‘“

Es ist dieser Anspruch von uns Menschen, der uns unseren Verstand trübt. Der Wunsch zu überdauern; der Wunsch, dass auch nach unserem Tod etwas von uns auf Erden bleibt… wie dichtete William Shakespeare?

But were some child of yours alive that time,
You should live twice: in it and in my rhyme.

In unseren Kindern weiterzuleben oder in einem hinterlassenen Werk – das ist ein Wunsch des Menschen. Sagt Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, etwas anderes, wenn er sagt: 

Wenn der Mensch stirbt, wird er vom Verdienst seiner Taten getrennt, außer in drei Fällen: Eine Wohltat, die fortdauert, Wissen, das Nutzen bringt, und ein aufrechter Nachkomme, der für ihn betet.

Ein Brunnen, den ich bauen lasse, um Menschen zu helfen, eine Schule, die ich eröffne oder einen Schüler, den ich ausbilde, oder spende, damit Ausbildung stattfindet oder ein Kind, das ich zeuge, damit ich in ihm oder ihr weiterlebe… ist das der Wunsch des Menschen nach ewigem Leben und einer Herrschaft, die nicht vergeht? Warum sollten sonst die Unternehmer dieser Welt Imperien aufbauen wollen? „DAS IST MEIN IMPERIUM! Das habe ICH errichtet…“ – in zahlreichen Kinofilmen hörten wir es bereits… was ICH tue, ist besser, als das, was du tust… auch solche Dinge lassen sich hören… sie alle drücken den Willen aus, Herrschaft auszuüben… wie armselig wir doch sind, wenn wir so denken…

Wer wohltätig ist, um als Wohltätiger gelobt zu werden, der wird, so Muhammed, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, seinen Platz in der Hölle einnehmen… solch einer gesellte seinem Schöpfer andere Menschen bei: Riya lautet solch ein Zustand. Riya ist, wenn ich beim Handeln darüber nachdenke, wie es bei den Menschen ankommt. Ikhlas ist, wenn ich beim Handeln an Allah, den Majestätischen, denke… an wen denke ich beim Verfassen dieses Textes? Wem möchte ich gefallen… das ist die Frage, die ich mir stellen muss. Wenn ich auf Allahs Gefallen abziele, so stellt dieser Text hinterlassenes Wissen dar. Auch wenn ich im Grab liege, werde ich davon profitieren. Wer diesen Text liest und sich beflügelt fühlt etwas Schönes zu tun, so schreiben die Engel sowohl die Tat des oder der Beflügelten auf und gleichzeitig schreiben die Engel die Tat auch mir zu – ohne vom Lohn anderer etwas zu kürzen. Es ist, als ob zwei Personen gehandelt hätten. Diesen Stellenwert hat das Inspirieren und Beflügeln anderer Menschen… 

Wir Menschen messen vieles nach weltlichen Maßstäben. Wie viele Menschen erreichst du den mit dem, was du tust? Wie viele Likes hast du? Menschen verändern sich und ihre Inhalte, um Likes zu generieren… welch Verschwendung der göttlichen Glut in uns! Welch grobe Verschwendung und welche Torheit und Unaufrichtigkeit… an wen denke ich beim Ausführen einer Handlung? Das ist der Maßstab, den wir anlegen müssen, wenn wir behaupten Allah, dem Majestätischen, zu dienen. Und wieso sollten wir Ihm nicht dienen? Ist Er es nicht, der allen, ob sie nun an ihn glauben oder nicht, Nahrung zuteilwerden lässt? 

Eines Tages kam ein Mann zu Abraham, Friede sei auf ihm, und Halilullah, der Freund Allahs, wie Abraham genannt wird, wollte ihn bewirten. Bevor sein Gast zu essen anfing, sagte Abraham: „Sag erst: ‚Mit dem Namen Allahs (arab. Bismillah)‘“, doch der Gast sagte, dass er nicht an einen solchen Gott glaube. Abraham, Friede sei auf ihm, gab ihm zu verstehen, dass er sodann aufstehen müsse und nicht essen dürfe von seinem Essen. Der Mann stand auf und ging. 

Nachdem der Mann gegangen war, kam Kunde zu Abraham, von seinem Herrn: „All die Jahre gab Ich diesem Meiner Diener Nahrung, obwohl Er Mich leugnet und du möchtest ihm jetzt verwehren, was Ich ihm solange gewährte?“ – Abraham, Friede sei auf ihm, stand sofortig auf und suchte seinen Gast auf. Als er ihn fand, bat er ihn darum, mit ihm gemeinsam zu speisen, auch ohne die Besmele. Dies verwunderte den Mann so sehr, dass er sich beschloss, Muslim, d.h. wörtlich übersetzt, ein Gottergebener zu werden – ein solcher Herr, der sowohl denen Nahrung gewährt, die an Ihn glauben als auch solchen, die es nicht tun, der kann nur wahr sein…

So ist das Wahre… es ist edel und schön im Ausdruck. Handlungen sind ein Ausdruck… Oscar Wilde sagt in seiner Komödie „Der ideale Gatte“: „Das Edle zwingt uns, wenn es sich zeigt, zur Liebe.“ Die Anekdote Abrahams erzählte mir mein Opa immer und immer und immer immer wieder… Sie ist ein wundervolles Beispiel dafür, was die Propheten ausgemacht hat: Die Herrschaft ist Allahs, unseres Schöpfers… davon zeugt jede Sekunde ihres gottergebenen Lebens.

Als eines Tages Salomo, der reichste der Propheten, sein weltliches Königreich betrachtete, kam plötzlich der Wind und trennte ihn von seiner Kleidung. Salomo wurde eine solche Herrschaft verliehen, dass er mit Tieren und Naturgewalten sprechen konnte! Er sprach zum Wind: O Wind, bring meine Kleider wieder in Ordnung! Und der Wind antwortete: O Salomo, bring du erst einmal dein Herz wieder in Ordnung! – Ein Funke Besitzanschein fiel ihm ins Herz und sofort kam die Antwort… Im Herz eines Propheten haben solche Gedanken und Gefühle nichts zu suchen, weshalb Allah, der Majestätische, Seine Propheten sofort zurechtwies. Ein anderes Mal sagte jemand zu Salomo: „Was für ein großes Königreich Dir Allah verliehen hat!“ – Salomo, Friede sei auf ihm, antwortete: „Dass du nur einmal Subhanallah sagst, ist größer als mein Königreich.“ – Warum? Für sein Königreich muss der große Salomo, Friede sei auf ihm, Rechenschaft ablegen. Einmal nur Subhanallah zu sagen hingegen, wird für mich sprechen in der Gegenwart meines Herrn. Subhanallah bedeutet: Alles Lob gebührt Allah. 

Das ist das wahre Königreich! Dies ist der wahre Baum des ewigen Lebens. Nicht Preise und Honorare, sondern mit dem Herzen während der Körper in dieser Welt ist und arbeitet, mit dem Herzen beim Wahren und Schönen zu sein. Ein solches Herz bleibt offen für die Wunder des Alltags!

Was uns gewöhnlich scheint, ist Wunder!
Durchdrungen ist’s von Allahs Licht –
Der nicht in Brand gesteckte Zunder
Im Menschenherz verdeckt die Sicht. 

Zunder, das ist der Wunsch nach Ewigkeit im Vergänglichen und der Wunsch Herrschaft ausüben zu können. Trugbilder und Götzen sind es, nach denen wir Menschen jagen. Die größte Gabe auf dieser Welt ist ein Herz, das keine Herrschaftsansprüche in sich trägt und den Wunsch mit Namen zu überdauern, überwunden hat. Wie viele Liebende auf dieser Erde lebten und starben sang- und klanglos. Doch der Erschaffer der Liebe, Allah, vergisst nichts. Er weiß, dass sie liebten. Wenn Er es weiß, wieso sehnst du dich noch danach, dass Menschen deinen Namen nennen und rufen? Wieso möchtest noch immer, dass die kommenden Generationen deinen Namen preisen? 

Zu lieben ist das größte Wunder
In einer Welt der List und Gier,
Verbrenne in dir allen Zunder,
So leih’n dir Engel ihre Zier!
Voll Achtung und Respekt zu leben
Ist Ausdruck tiefster Lieb im Herz,
Nach Schönerem leicht hinzustreben
Vertreibt aus mir Hang zum Kommerz…

Wenn ein Imperium es wert ist, errichtet zu werden, so ist es das Imperium der Achtsamkeit. Achtsamkeit ist Liebe zur Achtung. Der Ausdruck dieses Imperiums ist respektvoll zu sein, gegenüber: seinem Schöpfer, der die Liebe erschaffen hat; seinen Propheten, die uns die Liebe übermittelten; allen Liebenden, die der Liebe dienen und allen Lieblosen, um ihnen ein Beispiel dafür zu geben, was Liebe bedeutet…

Möge Allah unsere Herzen mit Liebe zu Ihm und Seinen Propheten füllen. Möge Er Respekt und Achtung zum Ausdruck unserer Liebe machen. Möge Er uns davor bewahren uns Hirngespinsten hinzugeben und unsere Herzen den wahren Reichtum und das wahre Königreich erkennen lassen… (Amin)

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